Betriebshaftpflicht für Selbstständige

Wer sich selbständig macht, hat bei der Vorbereitung viel zu beachten. Welche Grundausstattung ist nötig? Was kostet die Büromiete? Und welcher Telefonanbieter soll beauftragt werden? Im Business gibt es allerdings eine Vielzahl an Boni und besonderen Services, gerade im Bereich der Telekommunikation, wie unser Artikel O2 Business für Selbständige zeigt. Doch das ist nicht überall so.

Wenn es um Versicherungen geht, sollten Selbständige und Gewerbetreibende sich ebenfalls umfassend informieren und sich die Policen ganz genau ansehen. Die Betriebshaftpflicht, auch Gewerbehaftpflicht genannt, stellt für viele Selbstständige und Gewerbetreibende eine unverzichtbare Versicherung dar. Sie sichert alle Schäden ab, die während der Tätigkeit entstehen, sei es von den Mitarbeitern oder dem Chef selbst. Trotzdem sind viele Selbstständige nachlässig, was die Police angeht. Laut einer Schätzung sind viele Selbständige nicht hinreichend abgesichert. Nur knapp die Hälfte der Freelancer verfügt über den erforderlichen Mindestversicherungsschutz. Dabei kann ein Schaden einen Selbstständigen im schlimmsten Fall ruinieren. Ohne eine betriebliche Haftpflicht ist die Existenz bedroht.

Welche Schäden deckt die Versicherung?

Die Betriebshaftpflicht ist eine umfassende Police, die bei vielen Schäden greift. Ein Beispiel: der Kunde erleidet im Büro des Selbstständigen einen Unfall, der vermeidbar gewesen wäre. Beispiel hierfür ist ein nasser Boden nach dem Wischen. Wenn der Kunde nicht darauf hingewiesen wurde, darauf ausrutscht und sich verletzt, übernimmt die Versicherung die Behandlungskosten des Geschädigten. Sie sichert also Unfälle ab, die während der Arbeit einem Dritten zustoßen und zu Verletzungen führen. Wenn der Betroffene mit unberechtigten Schadenersatzforderungen ankommt, übernimmt die Versicherungsgesellschaft die Anwaltskosten sowie die Kosten für das Gerichtsverfahren. Weiterhin kommt die Assekuranz für Eigentumsschäden und Sachschäden auf, wenn ein Brand passiert, jemand ins Büro einbricht oder auslaufendes Leitungswasser einen Schaden anrichtet.

Der Versicherungsschutz greift für alle Mitarbeiter und Personen, die im Auftrag des Freiberuflers oder Gewerbetreibenden handeln, egal welches Vertragsverhältnis besteht. Das gilt auch, wenn die Arbeiten vor Ort beim Kunden oder im öffentlichen Raum durchgeführt werden. Zum Teil sind sogar betriebliche Tätigkeiten im Ausland bis zu einer bestimmten Summe mitversichert.

Achtung: Bei einigen frei arbeitenden Berufsgruppen, die zum Beispiel eigene Erzeugnisse produzieren, reicht die Betriebshaftpflicht nicht aus. Sie müssen den Versicherungsschutz ergänzen. Bei Berufen mit gewerblicher Zulassung ist sie allerdings eine zwingende Voraussetzung. Das trifft unter anderem auf Anwälte, Ärzte, Übersetzer, Wirtschaftsprüfer, Notare, Bauingenieure und Architekten zu. Sie müssen eine Gewerbehaftpflichtversicherung abschließen.

Was beim Abschluss der Betriebshaftpflicht beachten?

Nicht jede Versicherung ist für jeden Freiberufler oder Gewerbetreibenden geeignet. Die Police sollte bedarfsgerecht sein. Nur so können spezielle Risiken in die Betriebshaftpflicht mit integriert werden. Das können Auslandsschäden, Schäden beim Be- und Entladen oder der Verlust von fremden Schlüsseln sein. Ein Anbietervergleich lohnt sich in jedem Fall. So lässt sich prüfen, welche Leistungen der Versicherer anbietet und wie hoch die Risikozuschläge sind.

Die Beiträge richten sich nach dem abzusichernden Risiko, aber auch nach der vereinbarten Deckungssumme. Wenn Umsatz und Inventar im Schadenfall ausreichend geschützt sein sollen, muss die Deckungssumme dementsprechend hoch ausfallen. Hier sollten Selbstständige vom größtmöglichen Schadensfall ausgehen, der im Betrieb eintreten kann. Gerade bei Personenschäden liegen die Forderungen oft bei mehreren Millionen Euro. Ein Standardschutz umfasst eine Deckungssumme von 3- 5 Millionen Euro. Unter dieser Summe ist es nicht ratsam, eine Police abzuschließen.

Vor Abschluss der Versicherung sollten sich Gewerbetreibende und Selbstständige im Klaren sein, dass sie eine unbefristete Bindung mit dem Versicherer eingehen und die Dauer der Police unbegrenzt ist. Viele Anbieter vereinbaren sogar eine Mindestvertragslaufzeit. In dieser Zeit sind Kündigungen nicht oder nur bedingt möglich. Weiterhin lassen sich die eingezahlten Beiträge nicht zurückzahlen, wenn kein Schaden entsteht. Die Beitragszahlungen für die Versicherung lassen sich übrigens von der Steuer absetzen. Sie sind unter Sonderausgaben zu buchen, das Finanzamt akzeptiert die volle Beitragshöhe.

Je nach Risiko und Betriebsform können auf die Versicherungsnehmer hohe Beiträge zukommen. Stiftung Warentest gibt an, dass die durchschnittlichen Kosten einer Betriebshaftpflichtversicherung zwischen 530 und 900 Euro jährlich liegen.

Weiterhin bezahlen viele Versicherungen keine Schäden, falls der Versicherungsnehmer diese durch grobe Fahrlässigkeit oder absichtlich verursacht hat.

Risikoanalyse ein Muss?

Viele Versicherungsanbieter verlangen bei Vertragsabschluss eine Risikoanalyse. Das heißt, sie wollen wissen, welche betrieblichen Risiken und möglichen finanziellen Schäden vorhanden sind. Mit der Risikoanalyse können sie die Beiträge leichter kalkulieren. In der Regel umfasst die Risikoprüfung das Ausfüllen eines Fragebogens zu Art und Umfang der selbstständigen Tätigkeit. Versicherungsnehmer sollten hier keine falschen Angaben machen. Wenn sich später herausstellt, dass der Kunde bei der Beantwortung der Fragen schummelte, hat die Versicherung das Recht, die Absicherung im Schadensfall zu verweigern.

Das fragt die Risikoanalyse konkret ab:

  • Gibt es gefährliche Geschäftsabläufe?
  • Welche Betriebseinrichtungen, wie Elektrogeräte und Maschinen sind vorhanden?
  • Wie sieht der Tätigkeitsumfang aus?
  • Gibt es Kundenkontakt und direkten Umgang mit anderen Personen?
  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit eines Personenschadens oder Vermögensschadens?

Wann ist der beste Zeitpunkt für den Abschluss der Versicherung?

Wer sich selbstständig macht oder ein Gewerbe gründet, sollte die Betriebshaftpflicht am besten schon vor dem Start der Tätigkeitsausübung abschließen. Denn viele Assekuranzen haben eine Karenzzeit, in der kein Versicherungsschutz gegeben ist.

Kündigungsfristen, Sonderkündigungsrecht, außerordentliche Kündigung

Wenn keine Mindestlaufzeit vereinbart ist oder diese kurz davor ist, zu enden, können Versicherungsnehmer drei Monate vor Ablauf beim Versicherer kündigen. Die Kündigung sollte allerdings schriftlich erfolgen. Eine Sonderkündigung ist durchführbar, wenn ein Schaden eingetreten ist. Die Kündigungsfrist liegt bei einem Monat. Sollte die Assekuranz die Beiträge erhöhen, ohne dass sich die Versicherungsleistung ändert, haben Versicherungsnehmer ebenfalls das Recht zu kündigen. Diese außerordentliche Kündigung darf nicht später als einen Monat nach der Prämienerhöhung erfolgen.

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